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Japan Matsuri Bellinzona 2016 - eine Retrospektive

Gute Laune, buntes Treiben, grosse Vielfalt: am Japan Matsuri war für jeden etwas dabei.
Gute Laune, buntes Treiben, grosse Vielfalt: am Japan Matsuri war für jeden etwas dabei.

Bereits zum vierten Mal in Folge fand dieses Jahr das Japan Matsuri in den Hallen des Espocentro in Bellinzona statt. Wir waren das erste Mal dabei und bestimmt auch nicht das letzte Mal: die Kombination aus einem abwechslungsreichen Angebot Japan-bezogener Aktivitäten sowie der im Vergleich mit anderen Festivals angenehme Besucherandrang sind in der Schweiz einzigartig.

 

Sie überlegen noch, ob Sie die Reise ins Tessin für einen Festival Besuch im kommenden Jahr auf sich nehmen wollen? Wir hätten da einige gute Argumente:


1. Neues entdecken.

Auch Japan-Kenner konnten am Japan Matsuri Performances beiwohnen, die man eher als "Off the beaten Path" einordnen würde: Neben der Shodo-Performance, in der Kimonos und Zubehör mit grossen Pinseln dramatisch kalligraphiert wurden, war besonders die Tamasudare Vorführung von Meister Enya Tsukugawa und seiner Tanzgruppe ein Hingucker. 

 

Tamasudare ist eine Street Art Performance aus der Edo-Zeit. Die Künstler halten dabei lose miteinander verbonenen Bambusstäbe, die ein wenig an eine Sushi-Matte erinnern und verdrehen sie zu allerelei Dingen. Dabei spiegeln die Bambuskonstrukte jeweils das Thema wieder, was gerade gesungen wird: eine Brücke, einen Fisch, einen Turm - der Fantasie scheinen keine Grenzen gesetzt. Der begleitende, rythmische Gesang wirkt dabei fast hypnotisch: die Gedicht-artigen Texte und Tonfolgen wiederholen sich zwar, doch ein Element - das nächste, das aus dem Bambus hervorgezaubert wird - verändert sich. So könnte man der Gruppe stundenlang zuhören.

Auf der ganzen Welt zu Hause: Meister Enya Tsukugawa und seine Gruppe treten oft in Übersee auf.
Auf der ganzen Welt zu Hause: Meister Enya Tsukugawa und seine Gruppe treten oft in Übersee auf.

Schliesslich bezogen die Künstler auch Bellinzona und die Umgebung mit ein: So formten die Stäbchen plötzlich den Gotthard oder das Castello. Besonders schön anzusehen: auch die Zuschauer durften sich in der Kunst des Tamasudare versuchen - und ernteten für die Performance herzlichen Applaus.

Musik verbindet: Festival Besucher lernen auf der Bühne von den Profis.
Musik verbindet: Festival Besucher lernen auf der Bühne von den Profis.

2. Mitten drin statt nur dabei.

Das Japan Matsuri lädt seine Besucher erfreulich oft zum Ausprobieren ein: sei es zum Kimono-Tragen, Kalligraphieren oder zur Shiatsumassage. All dieses Aktivitäten werden zu einem tiefen Preis oder sogar kostenlos angeboten. Somit bekommt ein Besuch am Festival tatsächlich einen Erlebnischarakter.

 

Darüber hinaus kann man an vielen Shop-Ständen recht originelle Souvenirs erwerben: von handgemachtem Schmuck über zeitgenössische Kleidung mit japanischem Einschlag bis zu importiertem Merchandise ist alles dabei.

 

Unser persönliches Highlight war definitiv die Mangazeichnerin Mari Mari Chan, bei der der Besucher sich in einem Einzelportrait, Gruppenportrait oder einem kleinen Comic verewigen konnte. In 45 Minuten konnten wir ein fixfertiges Souvenir mit nach Hause nehmen, das wir übrigens hier zu finden ist.

Ein Mini Manga entsteht: Mari Mari Chan portraitiert uns während wir gebannt zusehen.
Ein Mini Manga entsteht: Mari Mari Chan portraitiert uns während wir gebannt zusehen.

3. Der Jööö-Faktor.

Vertreter der Rassen Aktia (linke Bildhälfte), Amerikanischer Akita, Shiba, Chin (rechts im Bild), japanischer Tosa und Kai wurden nicht nur auf der Bühne vorgestellt, sondern waren auch sonst ständig auf dem Festivalgelände präsent.  Besonder der drei Monate alte Haru (oben links) schien sämtliche Besucherherzen im Sturm zu erobern.

Aber wir haben auch gelernt: all diese Hunderassen - mit Ausnahme des sanftmütigen Tosa - scheinen einen sehr eigenen Kopf zu haben. Zwischenzeitlich hatte man das Gefühl, die Hunde führen eher ihre Besitzer auf der Bühne vor, als umgekehrt und das dürfte nicht an den geringen Fachkenntnissen der Besitzer liegen, die etwa zur Hälfte professionelle Züchter waren. Wer kein Problem damit hat, von seinem vierbeinigen Freund hin und wieder ausgetrickst zu werden, ist mit einem Akita oder Shiba jedoch bestens bedient.

Eröffnungszeremonie am Japan Matsuri: eine besonders süsse Gesangseinlage.
Eröffnungszeremonie am Japan Matsuri: eine besonders süsse Gesangseinlage.

Etwas eigensinnig, aber nicht minder entzückend war die gesangliche Performance der Drei-Käse-Hochs oben im Bild. Auch hier war die allgemeine Meinung des Publikums: "jöööö".


4. Der Geschmack.

Wohlverstanden: Damit meinen wir nicht das Festival-eigene Restaurant im Obergeschoss. Bleiben Sie diesem um Himmels Willen fern - das ist eine furchtbare Beleidigung der japanischen Küche, zu der wir uns nicht weiter äussern möchten.

 

Eine ganz andere Geschichte sind die Essensstände in der Haupthalle: frisch zubereitete Takoyaki, Nikumans oder Udonnudelsuppe waren hier genau so zu finden wie leckere japanische Süssigkeiten. Wer auf etwas Spezifisches Lust hat, sollte allerdings nicht zu lange zögern: die Süssigkeiten sowie einige Chukaman (Teigtaschen) waren am ersten Tag des Festivals rasch vergriffen.

 

Auch Sake-Freunde kamen nicht zu kurz: Am Stand von Marc Nydeggers Shizuku GmbH gab es allerlei gaumenschmeichelnde Tropfen zu degustieren.


5. Die vielfalt.

Trotz Cosplaycontest und Omnipräsenz von Manga und Games an vielen Ständen: das Japan Matsuri ist keine reine Geek- oder Otaku-Messe; dafür ist da Messe-Programm viel zu breit gefächert. Shotokan Karate (links im Bild), die Samurai Sword Artists KAMUI oder das Konzert von K-Blue Jungle (rechts im Bild) seien nur einige von vielen weiteren Acts, die uns gefallen und uns beeindruckt haben. Wir freuen uns schon aufs nächste Jahr!

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